ALLER ANFANG

ein Film von Karin Berghammer
TV-Dokumentarfilm|  60 min |  AUT |  2020


Hebammen begleiten den Weg ins Leben, sie unterstützen werdende Mütter und Väter bei der Vorbereitung auf einen der aufregendsten Tage im Leben und stehen den frischgebackenen Eltern mit Rat und Tat zur Seite. Ein begehrter Beruf, für den sich aktuell bis zu 16 Mal mehr junge Frauen bewerben als Studienplätze vorhanden sind.

Aller Anfang stellt vier der Auserwählten vor und taucht dabei jenseits aller Klischees tief in die Frage ein, unter welchen Bedingungen ein so existentielles Geschehen stattfinden sollte. 

In einem ruhigen Augenblick kann Josephine Turba, Studentin im ersten Jahr, kurz durchatmen und die Erlebnisse ihres Praktikums reflektieren.
Gloria Kerbl, Studentin im 2. Jahr, steht während ihres Praktikums im Wilhelminenspital Wien bei einem Kaiserschnitt im OP bereit, um das neugeborene Kind entgegen zu nehmen.
Im Physiologie-Unterricht an der IMC FH Krems erlangen die Studierenden nicht nur theoretisches Wissen. In praktischen Übungen probieren sie unmittelbar aus, wie sich der Körper in verschiedenen Positionen verhält und anfühlt.
Neugeborenes im Landesklinikum Scheibbs
Lena Kames hat ihr zweites Kind gerade in einer Badewannengeburt im Wiener Geburtshaus „von Anfang an“ auf die Welt gebracht.
Friederike Sumpich, Hebamme im Landesklinikum Mödling, zeigt der Studentin Josephine Turba in ihrem Praktikum die Vorgehensweise, falls nach einer Geburt genäht werden muss.
Der junge Vater Levent Tolvay hält sein Kind nach einem Kaiserschnitt im Wilhelminenspital Wien vorsichtig in den Armen.
Esa Schweiger, Studentin im 2. Jahr, ist nach einem langem Praktikumstag im Landesklinikum Scheibbs auf dem Weg nach Hause.
Magdalena Wallner hat gerade ihr Studium abgeschlossen und startet nun als fertige Hebamme in ihre Zukunft.

Gloria studiert im zweiten Jahr. Sie macht ihr Praktikum im Wiener Wilhelminenspital. Auf der dortigen Geburtenstation geht die Post ab. Die junge Frau lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie eilt von Raum zu Raum, versorgt Neugeborene und kümmert sich um deren Eltern. Sie absolviert die Visite, bereitet Infusionen vor und untersucht eine Plazenta. Im Einser-Zimmer darf sie den Dammschutz machen und im OP nimmt sie, das eben geholte Kind direkt aus den Händen des Operateurs entgegen.

Josephine hat schon diverse berufliche Erfahrungen gesammelt. Die Entscheidung, Hebamme zu werden, hat sie getroffen nachdem ihr eigenes Kind auf die Welt gekommen war. Während des ersten Studienjahres stellt sie fest, dass eine Geburt, wie sie sie erleben durfte, leider nicht die Regel ist. Die reflektierte junge Frau denkt viel über die Bedingungen nach, unter denen Hebammen in einem auf Effizienz getrimmten Gesundheitssystem arbeiten und was sich ändern müsste.

Magdalena begleiten wir durch ihr drittes Studienjahr. Bei einem Praktikum im Geburtshaus in Wien Hietzing betreut sie Lena, die hier ihr zweites Kind entbindet. Das Baby kommt in der Badewanne auf die Welt und ist überaschenderweise „doch ein Mädchen“. Nach dem Diplom ist Magdalena stolz, sich Hebamme nennen zu dürfen. Demnächst fliegt sie nach Athen, wo sie in einem Flüchtlingslager erste eigenständige Erfahrungen in ihrem Traumberuf sammeln wird.

Esa wollte schon im Kindergarten Hebamme werden. Damals, weil sie Babies mochte, heute geht es ihr in erster Linie um die Frauen. Dass diese zuweilen Übergriffen ausgesetzt sind, macht sie wütend. Ihr Engagement beschränkt sich daher nicht auf die Sonnenseiten des Geburtsgeschehens. Sie setzt sich couragiert auch mit sensiblen Themen wie Gewalt in der Geburtshilfe auseinander.

An der FH proben sie den Ernstfall mit lebensnahen Requisiten und werden von engagierten Lehrenden mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut gemacht. In der Praxis der geburtshilflichen Wirklichkeit wird davon immer noch zu wenig umgesetzt. Meist liegt das aber nicht am mangelnden Engagement der manchmal recht resignierten Hebammen. Drei Frauen gleichzeitig gut zu betreuen, das kann, so die Lehrbeauftragte Bernadette Brieskorn, „kein Mensch schaffen“.

Würden Männer Kinder bekommen, hätte bestimmt jeder seinen eigenen Coach. Davon ist Karin Berghammer, die bei Aller Anfang Buch und Regie verantwortet, zutiefst überzeugt. Als ehemalige Hebamme weiß die Filmemacherin genau wovon sie spricht. Der Start ins Leben prägt jede Familie und letztlich uns als Gesellschaft, deshalb ist es höchste Zeit, sich diesen Bereich des Gesundheitswesens genauer anzuschauen.


Regie & Drehbuch
Karin Berghammer

Dramaturgie
Barbara Eppensteiner

Produktionsleitung
Konstantin Seitz

Kamera
Judith Stehlik, Caroline Bobeck

Ton
Ines Vorreiter, Nora Czamler, Lenka Mikulova

Schnitt
Cordula Werner

Produktion
berg hammer film GmbH

in Koproduktion mit
ORF

gefördert von

Land Niederösterreich

Filmfonds Wien

RTR Fernsehfonds Austria

© berg hammer film GmbH